Welternährung – Klimawandel – Energiesysteme


Vortrag von Dr. Heinz Kopetz, Board Member World Bio-Energy Ass., Stockholm/Graz
28. Mai 2011
Zusammengefasst von Moritz Schulz und Ferdinand Kempski

Als erster Vortragender berichtete Dr. Heinz Kopetz als Mitglied der World Bioenergy Association vom wechselseitigen Wirkungssystem bestehend aus der Entwicklung der Welternährung, dem Klimawandel und vorhandener sowie nachhaltiger Energiesysteme.

Steigender Nachfrage nach Lebensmitteln – vor allem Agrargütern – wurde in den letzten Jahrzehnten überwiegend durch Schaffung zusätzlicher Ackerflächen durch Waldrodung gelöst. Hierdurch verstärken sich der Klimawandel und die Treibhausgasemission, die jeder Staat im Zuge der Kyoto Verträge senken muss. Die Folge werden langfristig höhere Lebensmittelpreise sein. Gleichzeitig muss die Emission von Treibhausgasen massiv reduziert werden, um etwaigen Strafzahlungen zu entgehen. Hierzu kommt die Entwicklung der traditionellen Energiesysteme mit fossil-nuklearen Energiequellen. Diese Quellen sind zwar derzeit noch günstig, so dass bisher niedrige Preise garantiert werden konnten, führen aber angesichts der zunehmenden Verknappung langfristig zu steigenden Preisen. Etwa 70% der Treibhausgasemissionen stammen durch die Verbrennung fossiler Rohstoffe, etwa 9-15% von der Waldrodung.

Die einzig sinnvolle Lösung dieser aufgezeigten Probleme ist der Aufbau eines neuen, klimaverträglichen Energiesystems. Hierzu müssen neue Koordinationsmöglichkeiten in der Energie- und Klimapolitik geschaffen werden. Die Nutzung von Biomasse als Energiequelle spielt außerdem eine wichtige Rolle. Schon jetzt macht Biomasse etwa 66% des Energieaufkommens durch nachhaltige Energiequellen aus. Das Problem der Nahrungsversorgung könnte durch Entwicklungshilfe der Industriestaaten und durch Umdenken bei Konsumgewohnheiten gelöst werden.

Auch für Österreich besteht akuter Handlungsbedarf: Der Umbau der bisherigen Wärmeversorgung, der Ausbau der erneuerbaren Stromversorgung im Hinblick auf eine nachhaltige Energie- und Klimapolitik könnten erhebliche Einsparungen bei der Treibhausgasemission bringen. Vergünstigungen oder Finanzgeschenke an die fossile Wirtschaft müssen ein Ende haben, da sie nur kurzfristigen Nutzen bringen. Gleichzeitig muss ein Umdenken in der Bevölkerung stattfinden. Eine Besinnung auf die Grundwerte und Tugenden unserer Gesellschaft wie beispielsweise Gerechtigkeit, Klugheit, Mäßigung, Mut und Dankbarkeit würde Änderungen bestehender Gewohnheiten erleichtern. Bisher waren Neuanfänge fast immer die Folge eines Zusammenbruchs nach Kriegen. In Friedenszeiten scheint es notwendig, dass nötige Änderungsimpulse von der zivilen Gesellschaft ausgehen.

Zu diesem Zweck existiert das Netzwerk ENERGYPEACE für das sich auch Dr. Heinz Kopetz engagiert. Unterstützung durch einen Beitritt oder durch neue Ideen wäre wünschenswert. Ein Umbruch kann nur geschehen, wenn gewohnte Denkschablonen und Verhaltensweisen abgelegt werden. Die große Chance besteht darin aufgezeigte Trends zu nutzen und eine Veränderung durch Einführung neuer Technologien und Systeme zu schaffen.