Therapie für unser Pflege- und Gesundheitssystem


Vortrag von Landesrätin Mag.a Kristina Edlinger-Ploder
14. April 2012

Frau Mag.a Kristina Edlinger-Ploder wuchs mit ihrem Bruder als Tochter einer VS-Direktorin und eines Journalisten in Graz auf. Nach erfolgreichem Maturaabschluss begann sie mit dem Studium der Rechtswissenschaften an der KFU Graz. Schon während der Studienzeit, aber auch danach konnte sie Erfahrungen im Berufsleben machen und mit dem Eintritt in das Büro der damaligen LH Waltraud Klasnic stand die Verbindung zum Amt der Stmk. Landesregierung. Neben vielen Aufgaben in der politischen Arbeit betreute sie die Schwerpunkte Schulen, Europa, Soziales, Energie und Gemeindeangelegenheiten. In den folgenden Jahen wurde Frau Mag.a Edlinger-Ploder mit den verschiedensten Ressorts betraut und übernahm im Mai 2010 sogar die Leitung der Frauenbewegung in der Steiermark, bis sie schlussendlich im September 2010 die Ressorts Gesundheit und Pflegemanagement, Wissenschaft und Forschung anvertraut bekam.

In ihrer gewohnt charmanten Art begann Frau Mag.a Kristina Edlinger-Ploder ihre Rede als zweite Vortragende an diesem Tag.

Sie eröffnete den Vortrag mit zwei provokanten Fragen:

  1. Wissen wir was uns gesund erhält?
  2. Wissen wir was uns gesund macht?

Im Folgenden wurde nach einer kurzen Diskussion darüber ein eleganter Übergang zu ihrem Hauptthema gefunden, dem Thema Krankenkassen – Gesundheitssystem.

Sie begann damit uns näher zu bringen, wie sehr denn unser derzeitiges System veraltet und wie schwer es ist, dieses in dessen Vielfalt zu einem vernünftigen, kostensparenden aber dennoch effektiven Apparat, der es eigentlich sein sollte, umzuformen.

„Das Geld ist aus, jetzt muss sich was verändern!“ tönte es vom Rednerpult! Sie fügte hinzu, dass sie dies eher als Chance als eine Bürde sehe, da man gerade in einer solchen Lage wirklich etwas verändern und bewegen könne.

Frau Landesrätin Mag.a Edlinger-Ploder beschrieb das derzeitige System als hybridartiges Wesen, welchem neue Aufgaben einfach irgendwo zugeteilt werden müssen, da es diesem an Flexibilität mangelt.

Da dieses Thema jedoch derartig umfassend ist und man alleine damit eine ganze Tagung füllen könnte, fing Frau Mag.a Edlinger-Ploder an, in erster Linie die verschiedenen Probleme in einzelne Punkte gegliedert aufzuzählen und kurze Beispiele dazu zu bringen.

Punkt Krankenhauskosten:
Frau Landesrätin erklärte, wie viel Österreich in die Gesundheit in Form von Geräten und Häusern, verglichen mit anderen EU-Staaten, steckt (€ 917,–/Kopf Krankenhauskosten), aber gesünder sind wir Österreich laut Statistiken deswegen nicht.
Es folgte ein Vergleich mit anderen EU-Ländern. Keiner geht gerne ins Krankenhaus um dort seine Nächte zu verbringen, in Österreich wird aber allzu häufig dies verlangt.

Fazit: „Tagesklinische Aufenthalte, das wäre doch was!“ in anderen Ländern gang und gebe.

Punkt Pflege:
In Österreich bekommen 5,2 % ein Pflegegeld, in anderen Ländern sind es durchschnittlich 2 % – 3 %.
Beispiel: Ein Pflegebedürftiger der Stufe 3 hat einen Pflegebedarf von 120 Std und dafür bekommt er Geld vom Staat. Im Gegenzug dafür bekommt er mit dieser Summe tatsächlich nur 15 Std Pflege eines mobilen Pflegedienstes.
Jedes Jahr kommen 10.000 Pflegebedürftige dazu, von welchen ca. 50 % den Stufen 1 – 2 und ca. 30 % den Stufen 4 – 7 zuzurechnen sind.

Viele Menschen werden in Österreich zu Hause gepflegt. Das ist wohl ihr größter Wunsch, doch oftmals werden dadurch Angehörige überbelastet und keine weitere Hilfe angenommen. 60 % der Pflegegeldbezieher behalten das Geld, ohne es in den Pflegebereich zu investieren.
Etwa 16.000 Menschen werden zurzeit stationär im Pflegeheim betreut. Durch die demographische Entwicklung wird es einen Anstieg geben und werden dadurch in den nächsten Jahren 13.000 zusätzliche Menschen in Pflegeberufen gebraucht.

Fazit: Das Ziel soll ein individuelles Unterstützungssystem sein, welches sich der demographischen Entwicklung anpassen kann. Pflegestufen 1 – 3 brauchen keine stationäre Aufnahme, damit könnte man Abschiebungen von pflegebedürftigen Patienen entgegnen.
Generationenverantwortung besteht für jung und alt, so ist auch der wieder eingeführte Regress zu erklären.

Zukunftspläne:
Regionaler Gesundheitsstrukturplan an die Bedürfnisse der Bundesländer angepasst.
Beispiel: Geburtenstationen werden in solchen Landeskrankenhäusern geschlossen, welche keine Kinderstation im Haus haben und im Zuge dessen werden Nutzungsänderungen überlegt (was benötige ich wo wirklich).

Ressourcen richtig einsetzen.
Beispiel: Periphere Spitäler, hier gibt es zu wenige Arbeitskräfte in der Nähe und das Personal muss von anderen Krankenhäusern angefordert werden bzw. Spezialisierungen können nur schwer sichergestellt werden.

Kompetenzen richtig zuordnen:
Beispiel: Es gibt Krankenhäuser, in welchen nur 3 mal im Jahr eine Meniskusoperation durchgeführt wird und andere Krankenhäuser, in welchen pro Jahr ca. 1200 Meniskusoperationen stattfinden.

Gesundheit und Pflege politisch zusammenlegen.
Stichwort Demenz Erkrankungen. Hierzu ist eine strategische Planung bereits fertig.

Angebotsbereinigung limitieren.
Beispiel: In Graz ist die Dichte der Krankenhäuser, Sanatorien und privaten Anbietern zu hoch. Ausgleich ziwschen gewachsenen Strukturen und dem EU-Standard schaffen.

Pflege aus dem Sozialbereich herausnehmen und ein Unterstützungssystem aufbauen.

Frau Landesrätin Mag.a Kristina Edlinger-Ploder fügte an dieser Stelle hinzu, dass noch hunderte weitere Punkte im Zuge der Umstellung auf ein komplett neues System entdeckt wurden. Sie erwähnte nur kurz: Ärzte mit Nebenverdiensten, Pflegeheimärzte, Distriktisärzte oder aber das Entlassungsmanagement von Krankenhäusern gerade in Bezug auf ältere Menschen.

Als Resümee von Landesrätin Mag.a Kristina Edlinger-Ploder kann man zusammenfassend sagen, dass das Hautproblem der mittlerweile riesig aufgebaute Apparat ist, in welchem jedoch eben angesprochene Probleme nur teilweise oder gar nicht gelöst wurden.
Sie selbst sieht ihre Aufgabe nun darin, den Versuch zu wagen, eine Reform in der Gesundheitspolitik und Pflege herbei zu führen, welche dringend und sofort zu erledigen ist. Dies duldet keinen Aufschub, da in den letzten 40 Jahren zu wenig passiert ist, die Zeit vertan wurde und das Geld bereits ausgegeben wurde.