Nie war der Hunger größer


Bischof Michael Bünker

Der Vortrag von Bischof Michael Bünker mit dem Titel „Nie war der Hunger größer“ drehte sich um das Thema – Hunger und Fasten Bei seinen Ausführungen betrachtet er dabei nicht nur aktuelle sondern auch historische Aspekte des Themas in unterschiedlichen Dimensionen. Gesellschaftliche, theologische, politische und wirtschaftliche Aspekte dieser Thematik wurden dabei kritisch betrachtet.

Die globale Dimension ist erschütternd. 25.000 Menschen am Tag und 9 Millionen jährlich sterben in Folge von Unterernährung und Hunger. Wie elendig und qualvoll der Hungertod sein muss, lassen die Worte von Herta Müller im Buch „Die Atemschaukel“ erahnen.
Die globale Dimension von Hunger wird noch bedrückender wenn man bedenkt, dass trotz steigender Entwicklungshilfe dem Hunger kaum beizukommen ist. Erschwerend kommt hinzu, dass die Entwicklungspolitik der Industriestaaten falsch angesetzt hat. Durch günstige Lebensmittelexporte in Entwicklungsländer hat sich die Lager der lokalen Bauern in Entwicklungsländer verschlimmert und der Hunger wurde nicht nachhaltig bekämpft.
Die industrielle Produktion und die Macht transnationaler Konzerne ermöglichen und bauen auf die Verschwendung die in unserer Gesellschaft stattfinden ungeachtet der Anfälligkeit für Krisen. Ganz unpersönlich erfolgt die Spekulation mit Lebensmitteln am Computer. Ganz anders sind jene, die als „Mülltaucher“ den Müll nach genießbaren Lebensmittel durchsuchen um unter anderem ein Signal gegen die Verschwendung zu setzen.
Während bei uns Essen auf dem Müll landen, hungern Menschen in anderen Ländern, obwohl genug Nahrung vorhanden wäre, das Problem ist also viel mehr die Verteilung.
Schon von Anfang an wurde in der christlichen Gemeinschaft das Ideal des Fastens gegen Unmäßigkeit und Gaumenlust. Allerdings gehen die Meinungen und Auslegungen von Fasten sehr weit auseinander. Seit der Reformation hat das Fasten allerdings an Bedeutung verloren und wird viel freier Gedeutet.
Das ursprüngliche Fasten kommt aus einer Gesellschaft die Mangel gewohnt war. Essen hatte einen hohen Stellenwert, nichts wurde versucht zu verschwenden. Kinder lernten immer aufzuessen. Nun im Überfluss ist diese Einstellung nicht mehr förderlich, wir müssen den Umgang mit dem Überfluss erst lernen. Ob Gebote oder Leitideen: zentral wird in Zukunft Qualität nicht Quantität sein. Qualität steht auch im Sinne einer gerechteren Verteilung der jedem Menschen zukommenden bioproduktiven Fläche. Jedem Menschen würden durchschnittlich etwas 1,8 globale Hektar zu stehen. Österreich verbrauchen etwa 4,6 globale Hektar.
Das Kaufen lokaler Produkte zum Beispiel verhilft zu einem besseren ökologischen Abdruck. Eine Verbesserung unserer Essgewohnheiten kann der „Genuss“ bewirken. „Weniger ist mehr.“ Qualitativ bessere Zutaten in kleinerer Menge steigern den Genuss dieser und sind auch ökologisch verantwortungsvoller. Das gemeinsame Essen bringt noch mehr Genuss.
Gemeinschaftlich zu Essen hat auch wieder mehr soziale Bedeutung. Essen ist für Menschen ganz elementar, auf sozialer, geistiger wie physischer Ebene.
Bildung und Fair Trade, Einhaltung statt Kürzung der Mittel für Entwicklungszusammenarbeit sind und wären wichtig für die Bekämpfung des Hungers in der Welt.
Biblisch betrachtet ist zum einen das Teilen von großer Wichtigkeit zum anderen die Anschauung, dass es Fülle gibt, ganz im Gegensatz der herrschenden Ökonomie, die von Mangel ausgeht. Diese Fülle zu teilen, statt in der Angst des Mangels zu Leben, kann die Erfahrung sein, die den Unterscheide macht. Kooperation statt Konkurrenz ist zentral für die Nachfolger Jesu.

Die Mündigkeit der Konsumenten ist für Bünker der erste Weg zur Verbesserung der Situation, wie er im Rahmen der Diskussion angibt. Jeder muss in seiner eigenen Verantwortung handeln.
Die heilige Schrift geht davon aus, dass man in seiner Mitgeschöpflichkeit verantwortlich handelt.
Das man in seinen Möglichkeiten eingeschränkt ist, ist gut. Man ist dadurch geschützt. Getragen sein in Gott, hilft uns menschlich zu sein.