Leben als katholischer Priester in einem orthodoxen Kloster in Rumänien


Vortrag von Professor Philipp Harnoncourt
29. Mai 2011

Professor Philipp Harnoncourt berichtete im Rahmen der Frühjahrestagung des Ennstaler Kreises von seinen Erfahrungen in einem orthodoxen Kloster in Rumänien, in welchem er von Oktober 2009 bis Mai 2010 zu Gast war.

Eingangs erklärte er von seinen Beweggründen 8 Monate in einem orthodoxen Kloster leben zu wollen. In erster Linie ging es ihm um die Erneuerung des geistlichen Lebens sowie um das Erleben der Exkommunikation. Der Weg zu dieser Erfahrung gestaltete sich allerdings nicht ohne Hürden. Philipp Harnoncourt versuchte bei griechischen orthodoxen Klöstern als Gast aufgenommen zu werden, jedoch war keiner der Versuche von Erfolg gekrönt. Ein Kloster in Siebenbürgern kam Philipp Harnoncourt’s Bitte nach und gab ihm die Möglichkeit seinen Wunsch zu verwirklichen.

In weiterer Folge des Vortrages arbeitete Philipp Harnoncourt die Gemeinsamkeiten zwischen westlichem und östlichem Mönchtum heraus.

Gemeinsamkeiten:

Ursprung des Mönchtums:
Ägypten, Syrien, Kappadokien, Armenien, Äthiopien …

Erscheinungsformen des Mönchtums:
Einsiedler-Ideal und/oder geordnete Kloster-Gemeinschaft, dazwischen Mischform: Skit.

Unterschiede:

Maßgebende Regelungen:

  • Osten: Geltung der Basilius-Regel und einzelner Klosterregeln.
  • Westen: Entstehung verschiedener Orden mit je eigenen Regeln/ Reform-Orden und neue Orden.

Die Stellung gegenüber dem Bischof:

  • Osten: Der Bischof ist verantwortlich für alle Klöster.
  • Westen: Orden und Klöster sind unabhängig vom Bischof.

Maßgebende Einflüsse des Mönchtums:

  • Osten: Die Kirchen sind geprägt durch monastische Spiritualität.
  • Westen: Einzelne „Mönchs-Kirchen“; Spiritualität der Dritten Orden.

Spezielle Ideale im Mönchtum:

  • Osten: Hesychasmus – Erneuerung der Frömmigkeit 1750-1850 (Paisie Veličkovski)
  • Westen: Prägung individueller Frömmigkeit (Aufklärung u. Romantik), Ausprägung spezieller Eigentümlichkeiten in den Orden (Erziehung, Krankenpflege, Mission, Wissenschaft, Papst-Treue, …)

Besondere Beziehungen gegenüber Öffentlichkeit und Staat:

  • Osten: Starker Einfluss auf Monarchen, Kulturkampf durch staatliche Säkularisierungen
  • Westen: Starker Einfluss auf Monarchen, Universitäten, Städte usw., Konflikte durch Aufklärung, Josephinismus, Staatskirchentum, Kulturkampf durch wachsende Ablehnung der Kirchen

Des Weiteren sprach Philipp Harnoncourt über seine Stellung im rumänischen Kloster. Anfangs wurde er als Fremder misstrauisch beäugt, dann aber als respektierter Bruder gesehen. Dies zeigte sich auch durch die Bitte der Mitarbeit an den Vorbereitungen für die Osterfeierlichkeiten sowie der Einladung zum Wiederkommen.
In den weiteren Ausführungen von Professor Harnoncourt war es faszinierend zu erfahren wie das Volk an besonderen Feierlichkeiten im Kloster beteiligt war. Er berichtete von einmaligen Ereignissen wie den Weihnachts- und Osterfeierlichkeiten oder den Begräbnissen von Archimandrit Teofil und Patriarch Pavle.
Die Kernaussage dieses brillanten Vortrages ist der empfundene Schmerz der Kirchentrennung, wahrgenommen durch das Eucharistie-Fasten. Abschließend gab Philipp Harnoncourt allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Frage mit „Was muss/kann geschehen, um den sündhaften Zustand der Trennung zu beenden?“