Integration durch Leistung


Franz Wolf-Maier, Geschäftsführer des Österreichischen Integrationsfonds

Zuwanderung bringt Chancen, aber auch Herausforderungen mit sich. Klar ist auch, dass die gemeinsame Sprache der Schlüssel zu gelungener Integration ist und das wesentliche Fundament für ein Zusammenleben darstellt. Auf dem Verständnis von Integration leitet Wolf-Maier fünf Thesen ab, nämlich:

  • Integration geht nicht von alleine
  • Integration betrifft alle
  • Integration tangiert nahezu alle Lebensbereiche
  • Asyl und Integration sind voneinander zu trennen
  • Integration ist keine neue Herausforderung

Die derzeit größte Gruppe der Migranten sind Deutsche. Selbst wenn man die Nettozuwanderung betrachtet, also die Differenz aus Zu- und Abwanderung, ist selbst hier die führende Gruppe der Zuwanderung mit 6.000 Personen die Deutschen. Im Vergleich ist die Nettozuwanderung der Türkei – 600 Personen – auf einem äußerst niedrigen Stand.

Lange Jahre hat sich niemand um die Problemfelder Deutsch und Bildung im Hinblick auf Gastarbeiter gekümmert. Heute leben die ehemaligen Gastarbeiter bereits in zweiter und dritter Generation in Österreich. Leider führten die Versäumnisse bei den Kindern und Kindeskindern vor allem zu schwachen Deutschkenntnissen. Aufgrund dessen, bleiben diese Generationen in ihrer Bildungslaufbahn oft einen Schritt zurück. Man kann sagen, der niedrige soziale Status wird „vererbt“. Einvernehmen besteht bei der Wichtigkeit von einem zusätzlichen Kindergartenjahr, da dieses eine Verbesserung von sprachlichen Fähigkeiten impliziert. Das Motto lautet: „Besser früher investieren als später reparieren.“

Die Politik hat auf das komplexe Thema der Integration lange nicht reagiert und vieles dem Zufall überlassen. Ein großer Schritt nach vorne war der Nationale Aktionsplan für Integration im Jahr 2010. Den großen politischen Durchbruch gab es schließlich vor zwei Jahren: Durch Sebastian Kurz, Staatssekretär für Integration, wird Integration in der Politik mit einer klaren Zuständigkeit verankert. Der Schwerpunkt in seiner Arbeit liegt in der Vermittlung von österreichischen Grundwerten, wie Menschenrechte, Demokratie und Religionsfreiheit.
Die Integrationszentren des ÖIF beraten Zuwanderer, koordinieren lokale Integrationsangebote und wickeln zahlreiche Integrationsprogramme vor Ort ab.

Experten sehen in einer pro-aktiven Migrationspolitik eine positive Entwicklung: Integration wandelt sich von einem „Problemthema“ hin zu einem Zukunftsthema, dem für die weitere Entwicklung von Österreich eine zentrale Bedeutung zukommt.