Ennstaler Kreis

Geschichte

Der Ennstaler Kreis wurde 1951 von LAbg. Dr. Alfred RAINER unter der Patronanz von Landeshauptmann ÖR Josef Krainer ins Leben gerufen. Im Schloss Paltenstein und später durch viele Jahre im Hotel „Wasnerin“ in Bad Aussee trafen sich Dichter, Politiker und Wissenschafter, die im Ausseer-Land eine zweite Heimat gefunden hatten. Damit sollte eine Begegnungsbasis für einen Dialog zwischen der Österreichischen Volkspartei mit ihren christlich-sozialen Wurzeln und Vertretern des sogenannten nationalliberalen Lagers auf hohem intellektuellem Niveau geschaffen werden.
Seit 1965 finden die Tagungen im Hotel „Almfrieden“ in der Ramsau am Dachstein statt.
1966 übernahm nach dem Tod von LAbg. Dr. RAINER Bundesrat Otto HOFMANN-WELLENHOF die Leitung der Tagungen. Von 1989 bis 2006 zeichnete LAbg. Hofrat Dr. Hans STEINER für den Kreis verantwortlich. Seit der Herbsttagung 2006 war der frühere Landesrat und Abgeordnete Dipl.Ing. Hans Georg FUCHS für die Vorbereitung und den Vorsitz der Tagungen verantwortlich, die 2012 auf die ehemalige Bundesministerin Dkfm. Ruth FELDGRILL-ZANKEL übergingen.
Die Patronanz haben Landeshauptmann a.D. Dr. Josef KRAINER, Landeshauptmann-Stellvertreter Hermann SCHÜTZENHÖFER und die Witwe des Gründers, Helene RAINER, inne.
Der Horizont der Gründer war weit gesteckt: Es ging ihnen um den Kontakt mit Wirtschaftsliberalen und Konservativen, welche nicht unbedingt christlich geprägt waren. So sprach zum Beispiel Prof. Joachim SCHOEPS (Erlangen) über „Konservative Erneuerung“, und der Schriftsteller Ernst JÜNGER, der „klassische Konservative“, war zweimal Gastreferent beim Ennstaler Kreis. Gleichzeitig wurden in einem ökumenischen Sinn das katholische und das protestantische Element eingebunden. Neben Kardinal Franz KÖNIG oder den katholischen Bischöfen Reinhold STECHER, Egon KAPELLARI, Franz LACKNER und Johann WEBER hielten im Ennstal die evangelischen Bischöfe Gerhard MAY, Dieter KNALL und Herwig STURM Vorträge; Univ.-Prof. Dr. Bassam TIBI betrachtete den Islam. In späteren Jahren folgten u.a. Univ.-Prof. Dr. Ednan ASLAN, Bischof Hon.-Prof. Dr. Michael BÜNKER, Weihbischof DDr. Helmut KRÄTZL.

Ennstaler Kreis und Europa

Neben den Bemühungen, durch kompetente, hochrangige Referentinnen und Referenten aus Deutschland die geistige Verbindung mit dem Nachbarn zu pflegen, spielte bei den Veranstaltungen des Ennstaler Kreises schon sehr früh der Europa-Gedanke eine entscheidende Rolle. Zu einer Zeit, als in Österreich ein Beitritt zu Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) wegen Neutralität und „Kaltem Krieg“ nicht opportun schien, wurde in der „Wasnerin“ in Bad Aussee bereits 1963 „Österreichs Weg zur EWG“ (Referent Prof. Dr. Franz NEMSCHAK) diskutiert. Südtirol und seinen Beziehungen zu Österreich war eine ausführliche Diskussion gewidmet, an der Landeshauptmann a.D. Dr. Silvius MAGNAGO und Landeshauptmann Dr. Luis DURNWALDER beteiligt waren. Referenten waren ebenso u.a. Franz Josef STRAUSS, Walter SCHEEL und der später von der RAF ermordete Präsident der Deutschen Arbeitgeberverbände, Hans Martin SCHLEYER. Die Liste prominenter Referenten und Referentinnen lässt sich fortsetzen mit Otto von HABSBURG, dem belgischen Ministerpräsidenten a.D. Leo TINDEMANS, dem regierenden Bürgermeister von Berlin Eberhard DIEPGEN, dem Ministerpräsidenten von Thüringen Dr. Bernhard VOGEL, der Präsidentin des deutschen Bundestages Dr. Rita SÜSSMUTH, der Herausgeberin der „Zeit“ Dr. Marion Gräfin DÖNHOFF, den österreichischen EU-Kommissaren DI Dr. Franz FISCHLER, Dr. Benita FERRERO-WALDNER, Dr. Johannes HAHN, dem damaligen Vizepräsidenten des EU-Parlaments Othmar KARAS, Karl Fürst von SCHWARZENBERG und zahlreichen Mitgliedern der jeweiligen österreichischen Bundesregierungen.
Auch wurden immer wieder Referentinnen und Referenten aus den verschiedenen Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien eingeladen, um den Ennstaler Kreis über die Lage am Balkan zu informieren und Vertreterinnen und Vertretern dieser Länder eine Beziehung zu Österreich und Europa zu bieten.
Aus dem Kulturbereich seien in den letzten Jahren etwa die Präsidentin der Salzburger Festspiele, Dr. Helga RABL-STADLER, oder Staatsoperndirektor a.D. Joan HOLENDER herausgegriffen, aus der Wissenschaft Historiker wie Manfried RAUCHENSTEINER oder die TU-Rektoren SÜNKEL und KAINZ.
Die Liste aller Referentinnen und Referenten ab 1962 kann abgerufen werden.

Ennstaler Kreis Heute

Im Verlauf der Jahre ist der ursprüngliche Gründergedanke in den Hintergrund getreten. Der hochangesehene Ennstaler Kreis ist heute ein Symposium, das zweimal im Jahr (Frühjahr und Herbst) stattfindet. Sie wollen über die politischen, geistig-kulturellen und wirtschaftlichen Ereignisse und Entwicklungen in Österreich, unseren Nachbarländern und Europa insgesamt informieren und eine Auseinandersetzung mit brisanten und grundsätzlichen Fragen der Zeit und der Zukunft im Geiste der Offenheit ermöglichen. Bedeutende Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Kunst und Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft, Religion und Gesellschaft finden ein Forum von 150 bis 200 Diskutierenden vor.
Eine Teilnahme ist nur mit persönlicher Einladung möglich.